Alterszentrum St. Theodul, Fiesch

Einstufiger Wettbewerb

Adresse: Fiesch Wallis
Auftragsart: Wettbewerb
Bauherrschaft: Stiftung St. Theodul
Landschaftsarchitektur: Mena Schnider BSC FH

In Zusammenarbeit mit Studio Noemi Grodtke

STÄDTEBAU

Das neue Alters- und Pflegeheim St. Theodul in Fiesch liegt nordöstlich des Dorfkerns, eingebettet zwischen den Bahngleisen und der Wisswasser. Der Neubau befindet sich in einer Nachbarschaft mit einer Tennishalle und einer Zimmerei, die sich im Vergleich zur kleinteiligen Bebauung des weiteren Umfelds städtebaulich deutlich abhebt. Um eine klare Eingangssituation zu schaffen, wird der Neubau im westlichen Bereich der Parzelle positioniert. Dadurch bleibt im östlichen Teil eine grosszügige Freifläche erhalten. Diese dient einerseits als ruhiger Freiraum zur Wisswasser hin, andererseits bietet sie Potenzial für eine spätere Überbauung. Der geplante Ausbau der Erschliessungsstrasse ermöglicht zudem zukünftige Entwicklungen auf den Parzellen 3033 und 3013. Der Baukörper setzt sich aus zwei ineinander verschobenen Volumen zusammen, die um einen Gelenkpunkt gegeneinander verdreht sind. Die Höhenstaffelung dieser Volumen sowie die leicht ansteigende Dachform greifen die charakteristische Topografie des Fieschertals auf.

Die Orientierung des Volumens mit einer Ecke nach Norden optimiert den Sonneneinfall in die allseitig angeordneten Pflegezimmer und ermöglicht eine gleichmässige natürliche Belichtung. Durch die Verdrehung der Baukörper entsteht eine Eingangssituation nach Südwesten, die einen Platz definiert. Dieser öffnet sich nach Südwesten und stellt einen Sichtbezug zur Kirche sowie zum Dorf Fiesch her.

ARCHITEKTUR

Die Gliederung in ein massives Sockelgeschoss und darüberliegende Wohngeschosse nimmt einerseits Bezug auf die regionaltypische Architektur des Wallis, andererseits strukturiert sie das Raumprogramm klar in ein öffentliches Eingangsgeschoss mit Betriebsräumen sowie in die darüberliegenden Wohnbereiche. Das massive Sockelgeschoss verankert den Bau selbstbewusst in seiner Umgebung. Der umlaufende Laubengang schafft eine Verbindung zur Landschaft, bietet witterungsgeschützte Wege und Aufenthaltsbereiche. Wechselnde Balkonschichten und geschlossene Fassadenabschnitte rhythmisieren die Fassaden und verleihen dem Gebäude eine differenzierte Erscheinung.

LANDSCHAFT

Der Freiraum vermittelt zwischen einer eindrücklichen Naturlandschaft und bestehenden Infrastrukturen wie Sportanlagen und Bahnlinie. Ziel ist es, diesen Dialog aufzunehmen und einen Ort zu schaffen, der sich selbstverständlich in die Umgebung einfügt und zugleich als gestalteter Raum erlebbar bleibt. Als Leitbild dient die Dynamik alpiner Schwemmlandschaften: ein offenes Gefüge aus Kies, Pioniervegetation und sanften Geländeformen, das Wandel und Ruhe zugleich in sich trägt. Die Bepflanzung folgt diesem Prinzip – robust, standortgerecht und in stetiger Entwicklung begriffen. So entsteht ein Freiraum, der nicht statisch ist, sondern sich im Jahreslauf und über die Zeit hinweg verändert.

MATERIALISIERUNG

Die Materialwahl der Fassade orientiert sich an Dauerhaftigkeit, architektonischer Klarheit und Nachhaltigkeit. Das Gebäude lebt von der Ehrlichkeit seiner Materialien. Holz, Beton und ihre natürliche Alterung prägen den Charakter und verleihen dem Bau eine ruhige, zeitlose Ausstrahlung. Der Holzbau wird als zentrales Gestaltungselement bewusst sichtbar. Schadstofffreies, unbehandeltes Holz umhüllt das Gebäude und verändert sein Erscheinungsbild im Laufe der Zeit durch die natürliche Patinierung. Unter dem Einfluss der Witterungsbedingungen wandelt sich das Erscheinungsbild der warmen Holztönehin zu silbrig-grauen Farben. Diese Veränderung macht das Material erfahrbar und verleiht der Fassade eine authentische, natürliche Ausstrahlung. Am deutlichsten tritt die Tragstruktur im Balkonbereich in Erscheinung. Diese verleiht der Fassade Rythmus und Tiefe. Bestimmte Elemente wie die Fenster- und Eingangspartien zu den Pflegezimmern werden vorgefertigt, wie auch die Balkonböden in Beton. Der Balkonbereich wird konstruktiv vom Hauptgebäude entkoppelt. Die Obergeschosse bauen auf einem konsequenten Raster von 4.35 m auf. Die Decken der Obergeschosse bestehen aus Holz-Beton-Verbunddecken. Der Erschliessungskern besteht aus Ortbeton. Er ist in das steife, betonierte Erdgeschoss eingespannt und stellt so die horizontale Stabilisierung des Gebäudes gegen Wind- und Erdbebeneinwirkung sicher.

Das Gebäude trägt die Materialien seiner Konstruktion selbstbewusst nach aussen. Prinzipiell sollen die Materialien für sich stehen und möglichst unbehandelt bleiben. Die hölzernen Decken sind in ihrer Untersicht im Innenraum ebenso erlebbar wie die Oberflächen der vorgefertigtem Beton-Balkonböden. Wohnungsinterne Trennwände werden als Holzständerwand mit Dreischichtplatten erstellt. Die Hauptflächen sind mit einer vertikalen Fassadenschalung, in Weisstanne, formschlüssig und sägeroh bekleidet und werden in der natürlichen Farbe des Holzes belassen. Das gesamte Erdgeschoss wird in Massivbauweise ausgeführt. Der Sockel wird in Sichtbeton erstellt, was einen langlebigen, winderstandfähigen Übergang zum Boden bildet.